K.O.-Mittel 

alles unter k.o.ntrolle!?

Mit unserem Anti K.O.-Mittel Projekt...

...möchten wir auf das Thema Grenzverletzungen und Gewaltausübung unter Verwendung von K.O.-Mitteln aufmerksam machen. Die Kampagne verfolgt die Ziele – Aufklärung, Sensibilisierung und Bewusstmachung – die wir durch verschiedene Angebote verwirklichen.

Anti K.O.-Mittel Präventionskampagne

Aufklärung ist für uns Herzenssache. Sie muss möglichst früh und nah am Menschen stattfinden. Deshalb setzen wir auf zwei Ebenen an.

 

...Angebot für Schulen

Für Schüler:innen ab der 9. Klasse sowie für Fachkräfte und andere Interessierte bietet der notruf eine Präventions- und Aufklärungskampagne gegen K.O.-Mittel an. Hintergrund: In den letzten Jahren waren wir in der Beratungsstelle gehäuft mit ratsuchenden Menschen konfrontiert, die durch K.O.-Mittel wehrlos gemacht und vergewaltigt wurden.

Im Rahmen von Vorträgen wird durch eine Mitarbeiterin des notruf anschaulich erläutert, welche Verbrechen mit K.O.-Mitteln verübt werden, wie die Wirkungsweise dieser Mittel ist und wie man sich schützen kann. Bei Bedarf bieten wir auch Elternabende an.

 

Kosten 

Da wir für unsere Arbeit auf Spenden und Fördermittel angewiesen sind, können wir die Kampagne nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Jedoch versuchen wir, einen Preis zu finden, der sowohl für uns wie auch für interessierte Schulen tragbar ist. Kontaktieren Sie uns gerne!

Wir freuen uns auf Ihre Anfragen. Entsprechend Ihres Bedarfs entwickeln wir ein passendes Konzept.

 

 

...Angebot für andere Einrichtungen

Wir bieten für verschiedene Einrichtungen und Locations, wie z.B. Gastronomien, Kneipen, Bars etc. Infomaterialien an, die auf das Bewusstmachen der Existenz sexualisierter Gewalt unter Nutzung von K.O.-Mitteln abzielen. So kann dieser Teil als eine Awareness-Kampagne verstanden werden. Mit Hilfe von Postern, Stickern und Bierdeckeln wird in einem gesellschaftlichen Kontext auf die Thematik aufmerksam gemacht. Durch die Poster erhält man nicht nur kurze Informationen über K.O.-Mittel, sondern auch konkrete Handlungsanweisungen, was in solch einem Fall zu tun ist. Auch dient das Material auch zur Abschreckung potenzieller Täter:innen. Die Kampagne fordert dazu auf aktiv zu werden, erweitert das Handlungsrepertoire und stärkt die Selbstwirksamkeit, sodass sich Betroffene weniger hilflos fühlen müssen.

 

Bei Interesse können Sie sich für Materialien gern an uns wenden.

 

Auch für Personal im Gastrobereich und Diskotheken, für Streetworker:innen, Sanitäter:innen sowie andere Fachkräfte und Interessierte bieten wir Fortbildungen zum Thema K.O.-Mittel an. Kontaktieren Sie uns gerne.

 

Was sind K.O.-Mittel und wie wirken sie?

K.O.-Mittel sind häufig farblose, geruchs- und geschmacksneutrale Substanzen. Sie werden in Diskotheken, Kneipen und auf privaten oder beruflichen Treffen heimlich Getränken oder Lebensmitteln beigemischt, um potentielle Opfer wehrlos zu machen. Als K.O.-Mittel werden u.a. Schlaf- und Beruhigungstabletten, Narkosemittel, Antipsychotika, Antidepressiva, Mittel gegen die Reisekrankheit, Nachtschattengewächse wie z. B. die Engelstrompete und der körpereigene Stoff GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) verwendet.

 

Auch Alkohol und Drogen werden wie K.O.-Mittel eingesetzt. Die hilflose Lage der Opfer wird von den Täter:innen ausgenutzt, um Straftaten wie Körperverletzung, Diebstahl, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung, Herstellung von pornographischem Material und Organraub zu begehen. Bei der Ausübung von Sexualstraftaten unter Verwendung eines K.O.-Mittels können die Täter:innen nicht nur Fremde, sondern auch Bekannte oder sogar Freund:innen sein. Die Taten werden sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen begangen.

 

Das Spektrum der Wirkungsweise von K.O.-Mitteln ist sehr groß und vielfältig. Angefangen von gehobener Stimmung, Enthemmung und Lust bis hin zu körperlichen Veränderungen wie motorische Unruhe, Benommenheit, Bewusstlosigkeit und letztlich auch Koma, Amnesie oder Tod. Die Wirkung von K.O.-Mitteln ist – besonders in Kombination mit Alkohol oder Drogen – unkalkulierbar und lebensgefährlich.

Möglichen Wirkungen und Folgen von K.O.-Mitteln

Veränderungen der Stimmung

  • gehobene Stimmung
  • Euphorie
  • Enthemmung
  • Erregung
  • Lust
  • Rauschgefühl
  • Schläfrigkeit
  • Verwirrtheit
  • Orientierungslosigkeit

Physische Veränderungen

  • Bluthochdruck
  • motorische Unruhe
  • Sprachstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Muskelschwäche
  • Bewusstseinsstörungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Koma
  • Amnesie

Fatale Folgen

  • Erstickungstod durch Erbrechen im Schlaf
  • Tod durch Atemstillstand
  • Tod durch Multiorganversagen

 

Wer ist betroffen?

Es kann jeden treffen! Unabhängig von Alter, Geschlecht, Attraktivität, Bildung, Lebensstil, Durchsetzungsvermögen…

Nicht nur Frauen, auch Männer werden Opfer von K.O.-Mittel-Delikten, z. B. wenn es um Raubüberfälle geht, aber auch um sexualisierte Gewalt. Helfende Berufsgruppen wie Klinik-Ärzt:innen, Rettungssanitäter:innen und Gynäkolog:innen berichten von einer Zunahme von Sexualdelikten unter Verwendung von K.O.-Mitteln. Wir wissen, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. 

Der Nachweis von einigen K.O.-Mitteln ist im Körper nur kurze Zeit möglich, da die Substanzen schnell abgebaut werden. In der Regel können sich die Betroffenen nicht oder nur bruchstückhaft an die Tat erinnern. 

Sie finden sich z. B. unbekleidet auf der Straße, in ihrer Wohnung oder im Krankenhaus wieder – meist ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen sind. Häufig haben sie Verletzungen, z. B. im Genitalbereich und wissen nicht, wodurch und von wem diese verursacht wurden. 

In der Folge haben viele Betroffene mit Schuldgefühlen und Angstzuständen zu kämpfen und meiden soziale Kontakte. Gerade das Nichtwissen wirkt traumatisierend, da es für die Betroffenen mit einem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit verbunden ist.

Wie können Sie sich schützen?
  • Behalten Sie Ihr Getränk im Auge! Nehmen Sie kein offenes Getränk an, wenn Sie die Zubereitung nicht beobachten konnten! Vertrauen Sie Ihrem Gefühl, wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt!
  • Sprechen Sie Freund:innen an, wenn es Ihnen schlecht geht oder Sie verwirrt sind!
  • Trauen Sie sich ruhig, zu reagieren, wenn Sie etwas Verdächtiges beobachten! Kümmern Sie sich um Freund:innen, die viel getrunken haben. Auch Alkohol kann als K.O.-Mittel eingesetzt werden.
  • Drinkcheck: Wenn Sie ein beunruhigendes Gefühl haben, was Ihr Getränk betrifft, können Sie mit Hilfe eines „Drinkcheck Armbands“ ihr Getränk auf K.O.-Tropfen testen. Hier finden Sie weitere Informationen zum Xantus Drinkcheck Armband
Was können Sie bei Verdacht auf K.O.-Mittel Gabe tun?
  • Rufen Sie einen Rettungswagen oder lassen Sie sich von Freund:innen in ein Krankenhaus bringen!
  • Wenden Sie Sich an eine:n Ärzt:in Ihres Vertrauens!
  • Wenden Sie sich an die Polizei!
  • Wenden Sie sich an uns. Wir unterstützen mit Information, Beratung und psychologischen Gesprächen.
Wie können Sie Beweise sichern?
  • Nehmen Sie Gläser oder Flaschen mit, aus denen die:der Betroffene getrunken hat! K.O.-Mittel sind je nach Wirkstoff im Körper nur 4 bis 72 Stunden nachweisbar. Im Glas bleibt der Wirkstoff länger unverändert erhalten.
  • Falls Sie nicht direkt zu einem Arzt gehen möchten, dann können Sie auch selbst zeitnah eine Urinprobe sichern – z. B. in einem Marmeladenglas. Und dann ab in die Gefriertruhe oder den Kühlschrank!

Eine selbst genommene Probe außerhalb einer sogenannten forensischen Untersuchung (eine Untersuchung zur Spurensicherung im Krankenhaus) wäre bei einem Gerichtsprozess nicht als Beweismittel verwertbar, da in so einem Fall nicht belegt werden kann, dass nicht die:der Betroffene die Probe manipuliert hat. Aber die Probe kann trotzdem von der:dem Betroffenen zur Untersuchung genutzt werden, um eine größere Gewissheit über das zu bekommen, was passiert ist.